Haberkorn Pavillon

Studio, Lehm Ton Erde, 9. April 2025

Kategorie: Öffentlich
Zeitraum: 2020-2022
Ort: Wolfurt, Vorarlberg, Österreich
Architektur: ERDEN Studio
Projektleitung: Martin Mackowitz
Zusammenarbeit: BASEhabitat mit Dominik Abbrederis, Lehm Ton Erde GmbH

Der Haberkorn Pavillon wurde im südöstlichen Bereich des Firmengeländes in Wolfurt als multifunktionaler Begegnungsort konzipiert. Er verbindet ökologische Aufwertung des Außenraums mit dem Bedarf nach informellen Besprechungs- und Rückzugsorten im betrieblichen Alltag. Die offene, landschaftsnahe Setzung verweist auf die topografischen Qualitäten des angrenzenden Riedgebiets, während das integrative Nutzungskonzept auch kleinere Veranstaltungen, Pausen oder Arbeitsgespräche im Freien unterstützt. Das Projekt versteht sich als Teil einer langfristigen Strategie zur ökologischen und sozialen Entwicklung des Standortes. In seiner Umsetzung wurde bewusst auf einfache, rückbaubare Konstruktionsweisen und regionale Materialien gesetzt.

Die Kombination von Stampflehm und Holz schafft eine robuste, klimaregulierende Struktur, die gleichzeitig als Lernfeld für zukünftige Fachkräfte diente – realisiert in Zusammenarbeit mit Zimmermannslehrlingen und Architekturstudierenden. Der Pavillon ist ein gebaute Schnittstelle zwischen Arbeitswelt, Umweltbewusstsein und Lernkultur.

Der Pavillon gliedert sich in zwei funktionale Elemente: eine ebenerdige Stampflehmkonstruktion mit stabilisierender Wirkung und ein darüberliegendes, weit auskragendes Holzdach, das durch einfache Steckverbindungen reversibel konstruiert ist. Die Form ist offen, durchlässig und auf den umgebenden Gartenraum bezogen. Die räumliche Atmosphäre entsteht aus dem Kontrast von massiver Erdbindung und leichter Überdachung – eine Referenz an die Übergangszonen der Riedlandschaft. Die Zugänglichkeit ist barrierefrei, die Nutzung nicht festgelegt, sondern offen für unterschiedliche Situationen: gemeinsames Arbeiten, Ausruhen, kurze Besprechungen oder kleine öffentliche Anlässe. Der Pavillon wirkt als architektonische Geste ohne Monumentalität – ein präzise gesetzter, einfacher Raum mit hoher Aufenthaltsqualität. In der Systematik und räumlichen Klarheit liegt das Potenzial zur Übertragung auf weitere Kontexte, sei es im öffentlichen, betrieblichen oder schulischen Umfeld.

Die Konstruktion des Pavillons basiert auf einer Kombination aus Stampflehm und Holz – beide Materialien stammen aus der Region und wurden mit möglichst geringem technischen Aufwand verarbeitet. Der Stampflehmkörper bildet die stabile Basis, schützt vor Wind und Bodenfeuchte und sorgt durch seine thermische Trägheit für ausgeglichene Innenbedingungen. Das Dach ruht auf einer Holzkonstruktion, die in Zusammenarbeit mit Zimmermannslehrlingen gefertigt wurde. Verbindungen sind lösbar und weitgehend sortenrein rückbaubar. Auf den Einsatz synthetischer Baustoffe wurde weitgehend verzichtet. Für die Dachdeckung wurde eine extensive Begrünung gewählt, die zur Regenrückhaltung beiträgt und Lebensraum für Insekten schafft. Der umgebende Garten ergänzt das ökologische Konzept mit Gräben, Mulden und vielfältiger Bepflanzung. Das Projekt demonstriert, wie durch einfache Mittel, gestalterische Zurückhaltung und gemeinsames Lernen ein Ort entstehen kann, der Umweltverantwortung mit alltäglicher Nutzbarkeit verbindet.

Ausführung:

Haberkorn GmbH (Bauherrschaft)
Lehm Ton Erde GmbH (Stampflehmarbeiten)
DADO Dominik Abbrederis und BASEhabitat (Stampflehmarbeiten)
merz kley partner (Tragwerksplanung)
Elisabeth Gruber, Österreichisches Ökologie Institut (Landschaftsarchitektur)
Katrin Löning, Daniel Reidl (Mitarbeit Landschaftsarchitektur)
BISCHOF & ZÜNDEL GmbH (örtliche Bauaufsicht)
Dobler Holzbau (Zimmermann)
Rhombergbau (Baumeister)
Rusch (Dachdecker)
Daniel Moosbrugger (Dachbegrünung)

Hägi Wendls